Jahnstadion wird Verschiebebahnhof von Rot-Rot-Grün

SPD sagt erst JA, dann NEIN – jetzt JEIN

Das Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion
Das Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion
Als Ex-Staatssekretär für Sport tut mir die Entscheidung das Projekt auf die lange Bank zu schieben, in der Seele weh. So viele sportbegeisterte Menschen, viele Behinderte und nicht behinderte Sportler haben große Hoffnungen gehabt, dass sich in kurzer Zeit ein Traum erfüllt – eine Inklusions-Sportarena zum Vorzeigen in Berlin. Dies Hinauszögern ist für die Sportler ein Desaster. Für mindestens zwei Jahre ist nur noch die Rasenfläche des Jahnstadions nutzbar – für Schulsport und Trainingsbetrieb. Umziehen muss dann wohl im Freien erfolgen – oder? Das Jahr 2021 fängt für die betroffenen Sportler bestens an.

Die Folgen dieser rot-rot-grünen Hinhaltepolitik: Die Betriebserlaubnis erlischt definitiv am 31. 12 2020. Somit sind Tribüne und Hauptgebäude nicht mehr zu nutzen. Damit haben die beiden Fußballvereine VSG Altglienicke und BFC Dynamo hier keinen Platz mehr, um ihre Spiele auszutragen. VSG Altglienicke, eigentlich aus Köpenick, muss in den Olympiapark ausweichen. Das bedeutet gut eine Stunde Fahrt zum Spiel für Akteure und Fans. BFC Dynamo spielt nun im maroden Stadion auf dem Gelände des Sportforums Berlin in Hohenschönhausen.

 

Zur Vorgeschichte: Die Regierungsfraktionen hatten im November beschlossen, dass das Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion erst einmal nicht abgerissen wird. Stattdessen wird jetzt wieder geredet, statt zu handeln. Somit wird die im Prenzlauer Berg stehende Arena quasi unbenutzbar für mindestens zwei Jahre, sie darf aber weiter verrotten und vergammeln.

 

Dabei war doch schon mal alles klar. Die SPD in der Bezirksverordnetenversammlung Pankow und auch der Sportsenator (SPD) waren für den Abriss. Doch dann flammte die Diskussion wieder auf und der Senator knickte ein. Die Koalitionsparteien von SPD/LINKE und Grüne/Bündnis 90 setzten sich durch und beschlossen statt Abriss und Neubau nun ein sogenanntes Werkstattgespräch zwischen Anwohnern, Anliegern, Nutzern und Fachleuten zu führen. Dabei soll nochmals geklärt werden, welche Art der Sanierung möglich sein könnte (teilweise oder ganz) oder ob doch ein Abriss unumgänglich ist. Dabei ist es offensichtlich: Die SPD weiß immer noch nicht so ganz was sie wirklich will und agiert frei nach dem Motto JA – NEIN – JEIN. Denn nach dem JA zum Abriss und Neubau des Jahnstadions kam nun der Schwenk in Richtung Werkstattgespräch – also NEIN. Gleichzeitig erklärt die SPD, dass sie eigentlich weiterhin gegen eine Sanierung ist. Also ein JEIN. Ein Schlingerkurs par excellence.

 

Ein Armutszeugnis für die Stadt

 

Andreas Statzkowski wird deutlich: „Seit 2014 schon wird über die Neustrukturierung diskutiert. Es wurden zig Schleifen gedreht. Aber es ist wie immer: Wenn Koalitionen sich nicht einigen können, wird die Entscheidung verschoben. Dabei wird durch dieses Vorgehen die größte Investition für den inklusiven Sport unnötig hinausgezögert – ein Armutszeugnis für diese Stadt. Wenn Gutachten belegen, dass barrierefreier Sport nur durch einen Neubau erreicht werden kann, warum werden dann doch wieder Schritte rückwärts gemacht?“

 

Schon 2014 ergab eine Machbarkeitsstudie, dass das alte Stadion marode sei und erhebliche technische Mängel aufweise. Der Jahnsportpark sollte deshalb bis 2023 zu einem Inklusionssportpark werden – damals für alle! Parteien ein „Leuchtturmprojekt“. Ein Objekt, das in die Zukunft weist. Hier sollte vor allem barrierefreier Sport möglich sein – aber auch internationale Leichtathletikwettbewerbe stattfinden können, vor 20.000 Zuschauern. Dieser Traum ist vorerst geplatzt. Das Ergebnis der rot-rot-grünen Sportpolitik ist eine Ruine im Prenzlauer Berg.

Inhaltsverzeichnis
Nach oben