DYNAMIK, VISIONEN UND ANTIKE VORSCHRIFTEN

Stefan Evers fordert Entwicklungsplan für Berliner Hochhaus-Bauten

Wo werden die höchsten Gebäude der Stadt entstehen? Weder am Alexanderplatz noch in der City-West. Stattdessen gibt es die für Stadtplaner schwer nachvollziehbaren Wolkenkratzer-Pläne an der Neuköllner Sonnenallee (218 Meter hoch) oder in der Frankfurter Allee (218 Meter). Für Stefan Evers, den städtebaulichen Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, ist das ein Indiz dafür, dass Berlin sich stadtplanerisch immer noch im Winterschlaf befindet und dringend einen Entwicklungsplan für seine Hochhäuser braucht.

Hochhäuser, meinte Evers jetzt in einer CDU-Diskussionsrunde, sind städtebauliche Verdichtungen höchster Konzentrations-Stufe. Sie prägen das Panorama und damit das Image einer Stadt. Sie sind Ausdruck weltstädtischer Urbanität und ein deutliches Zeichen für Wirtschaftskraft. Und gerade deshalb könne man sie nicht willkürlich über Berlin verteilen, sondern müsse sorgfältig über die Standorte nachdenken. Wenn man sie ungeordnet über die Stadt verteile – so Evers – wirken sie wie ein „Gebiss bei dem die meisten Zähne ausgeschlagen sind“.

„Wir brauchen in Berlin endlich eine Hochhausplanung, die erkannt hat, dass sich die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren grundlegend verändert haben, dass eine neue Dynamik die Stadt erfasst hat, dass sie mutiger, selbstbewusster, weltoffener und ökonomisch stärker geworden ist.“ Diese Dynamik sei allerdings noch nicht in allen Behörden zu spüren. Berlins Planungs-Parameter stammten aus der Vorwende-Zeit, teilweise gehen sie sogar von den Gegebenheiten in den 70er/80er und 90er Jahren aus. Doch die Stadt habe sich verändert. Gerade das „Stiefkind“ der Nachwende-Zeit, die City-West, sei der Motor der Stadtentwicklung geworden. Stefan Evers: “ Es gibt für mich zwei Orte in Berlin, die nach Hochhäusern schreien: Das ist der Alexanderplatz, also die City-Ost, und die City-West vom Hardenberg- bis zum Ernst-Reuter-Platz.“

Er gönne es dem Estrel, dass es seinen wirtschaftlichen Höhenflug auch baulich ausdrücken möchte, “ aber die Sonnenallee ist städtebaulich als Standort des höchsten Gebäudes der Stadt nach dem Fernsehturm nur schwer zu erklären.“ Um „markenbildende“ Baumaßnahmen im Sinne einer an gesamtstädtischen Bedürfnissen ausgerichteten Entwicklung steuern zu können, müssten eben auch gesamtstädtische Zuständigkeiten geschaffen werden. Es bedürfe eines Entwicklungsplans, der verhindere, dass Kleinkariertes realisiert werde, weil der „Mut zu wirtschaftlich und ästhetisch sinnvolleren Lösungen fehlt oder weil Visionen in Amtsstuben manchmal nur Fremdkörper sind.“ Der Architekt, Prof. Christoph Langhof, hatte bereits zur Jahrtausendwende einen Wettbewerb zur Gestaltung des Breitscheidplatzes gewonnen. Jetzt endlich, Ende 2016/Anfang 2017, kann er voraussichtlich seine 118 Meter hohen Zwillingstürme „Upper West“ eröffnen: „Man braucht einen langen Atem in Berlin“, meinte Langhof in der von Dr. Jürgen Lautsch moderierten CDU-Diskussionsveranstaltung.

Lautsch ist Vorsitzender des CDU-Forums Bauen, Verkehr, Umwelt. Dass Wettbewerbe gewinnen nicht unbedingt heißt, dass die Ideen auch verwirklicht werden, musste die Architektin Annette Axthelm schmerzlich erfahren. Axthelm präsentierte einen Entwurf, der weltstädtisch, offen , beschwingt und originell wirkte und dynamisch den Impuls des Ensembles aufgenommen hatte. Aber wie bei fast allen Teilnehmenr am damaligen Wettbewerb zur Gestaltung des Terrains Ecke Joachimsthaler, Hardenberg- und Kantstraße hatte auch ihr Entwurf die vorgeschriebene Geschosshöhe überschritten. Eine solche Überschreitung der Berliner Traufhöhe von 22 Metern hätte einen neuen Bebauungsplan nötig gemacht. Das dauert: Zwei Jahre Wartezeit und Aussicht auf eine Genehmigung, aber ohne Gewähr. Der Investor verzichtete dankend und verstimmt und fand sich mit einer „abgesägten Variante“ ab. Jetzt wird er sich auf sechs Geschosse beschränken, obwohl sich die Begeisterung über diesen Plan in Grenzen hält.

Der bezirkliche Stadtplanungsausschuss fand das Modell „langweilig“, aber gleichzeitig fand auch niemand den Mut, den 20 Jahre alten Masterplan zum Altpapier zu werfen und das, was sich „städtebaulich aufdrängte“ (Evers) umzusetzen. Stefan Evers gibt die Hoffnung trotzdem nicht auf. Berlin müsse endlich wieder „Stadt planen“, statt sich von den Ereignissen treiben zu lassen. Die Politik müsse den Mut und die Visionen, die zuhauf vorhanden seien, aufgreifen und in enger Diskussion gemeinsam mit den Bürgern umsetzen: „Es lohnt sich, dass wir uns miteinander auf den Weg machen.“

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